Gannan · praktischer Reiseführer

Gannan: Klöster und Grasland auf dem tibetischen Hochland

Gahai-See, Zhagana, Blumen-See, Labrang-Kloster und Sangke-Grasland: Reiseziele in Gannan mit Hinweisen zur Jahreszeit, Reisedauer, Küche, Höhenlage und zum respektvollen Besuch.

ReisenotizGannan
Weites Grasland und ferne Berge auf dem Hochland von Gannan
Weites Grasland und ferne Berge auf dem Hochland von Gannan

Die Tibetische Autonome Präfektur Gannan liegt im Süden von Gansu. Hier geht das Hochland in Grasland, Flusstäler und Felslandschaften über. Der Beiname „Klein-Tibet“ passt zur Dichte der Klöster und zum Leben der Hirten, wird der geografischen Vielfalt aber kaum gerecht. Die Sehenswürdigkeiten verteilen sich auf mehrere Kreise und liegen oft Stunden mit dem Auto auseinander. Manche der üblichen Rundreisen führen auch nach Qinghai oder Sichuan. In diesen Höhen kann das Wetter innerhalb eines Tages umschlagen.

Dieser Überblick stellt die Orte vor, die Gannan prägen, und gibt Hinweise zu Reisezeit, Reisedauer, Essen und Höhe. Am meisten hat man von der Region, wenn Zeit bleibt: für einen Morgen am See, eine Stunde im Klosterhof oder eine Mahlzeit ohne Blick auf die Uhr.

Orte, für die sich ein Umweg lohnt

Gahai-See

Gahai ist Gannans größter Süßwassersee und eines seiner wichtigsten Feuchtgebiete. Der tibetische Name wird meist als „Ort, an dem die Yaks kommen und gehen“ übersetzt. Das passt zu den Weiden ringsum. Schilf und Sumpfgräser säumen das Wasser. Zugvögel rasten und brüten hier; 1982 wurde das Gebiet zum Vogelschutzgebiet der Provinz erklärt. Die überwiegend buddhistischen Hirten der Umgebung haben die Vögel traditionell in Ruhe gelassen. Auch der See gilt vielfach als heilig.

Schilf und offene Wasserflächen am Gahai-See
Gahai-See und seine Feuchtgebiete

Hier ist Ruhe angebracht. Das Licht verändert sich schnell, und Vögel lassen sich mit etwas Abstand besser beobachten als aus nächster Nähe. Ein Fernglas ist hilfreich. Sprechen Sie leise und bleiben Sie auf den angelegten Wegen.

Zhagana

Zhagana liegt in der Gemeinde Yiwa im Kreis Diebu, in einem von Felswänden eingefassten Tal. Der oft bemühte Vergleich mit Shambhala erklärt sich beim Blick auf die Landschaft: Gipfel im Norden, Klippen im Osten und zwei Felstürme, die im Süden ein Tor bilden. Durch die Dörfer Dongwa und Naga fließen Bäche; unterhalb der Felsen liegen Felder und Holzhäuser.

Felsgipfel über Zhagana
Das felsumschlossene Tal von Zhagana

Zhagana galt lange als weniger kommerzialisiert als bekanntere tibetische Reiseziele, wobei sich der Eindruck je nach Saison verändert. Es gibt nicht den einen Aussichtspunkt, den man abhaken müsste. Reizvoll ist das Zusammenspiel von Siedlungen, Landwirtschaft und Fels. Ein halber Tag zu Fuß, eine Nacht im Gästehaus und ein langsamer Morgen bringen mehr als ein kurzer Fotostopp. Erkundigen Sie sich vor längeren Wanderungen vor Ort nach Wegen und Wetter.

Blumen-See

Der Blumen-See liegt auf etwa 3.468 Metern im Ruoergai-Grasland, das sich in Richtung Sichuan erstreckt. Im Sommer blühen die flachen Uferzonen, das Grasland wird grün, und Wasservögel suchen den See auf. Ein Holzsteg führt über das Feuchtgebiet, ohne dass Besucher die Vegetation zertrampeln müssen.

Der Blumen-See im Sommer
Sommerblüten am Blumen-See

Die Wasserfarbe folgt dem Himmel: tiefblau bei klarem Licht, grau oder silbern unter aufziehenden Wolken. Selbst im Hochsommer kommt Regen oft überraschend. Eine wasserdichte Jacke gehört ins Gepäck. Auf dem Steg wird es zur Hauptreisezeit voll; dahinter bleibt die Weite des Graslands.

Nianbaoyuze

Nianbaoyuze liegt außerhalb von Gannan, im Kreis Jiuzhi in Qinghai, taucht aber auf vielen Gannan-Routen auf. Der Hauptgipfel erreicht 5.369 Meter. Gletscher, steile Felsen und mehrere Seen verleihen dem Massiv eine herbe Schönheit. Bäche fließen zwischen Felsblöcken hindurch; nach Regen oder Schneeschmelze stürzen Wasserfälle ins Tal. An windstillen Tagen spiegeln sich die Gipfel so klar im Wasser, dass die Uferlinie kaum noch zu erkennen ist.

Schneebedeckte Gipfel und Seen bei Nianbaoyuze
Das Nianbaoyuze-Massiv

Zur Landschaft gehören Wildenten, Streifengänse und Geier an den Seen sowie Hunderte wild wachsende Pflanzenarten. Gerade in dieser empfindlichen Hochgebirgsumgebung können sich Zugangs- und Naturschutzregeln ändern. Prüfen Sie die Bedingungen und nötigen Genehmigungen bei einer offiziellen Stelle, bevor Sie das Gebiet fest in Ihre Route aufnehmen.

Sangke-Grasland

Sangke liegt im Kreis Xiahe durchschnittlich über 3.000 Meter hoch. Rund 70 Quadratkilometer offenes Weideland mit wenigen Siedlungen ziehen sich hier hin. Im Sommer wandern Herden über die Flächen, und der Blick reicht in jede Richtung weit. Reitausflüge, Lagerfeuerabende und tibetische Mahlzeiten werden manchmal angeboten. Solche Angebote sind saisonabhängig und lassen sich am besten mit örtlichen Anbietern vereinbaren.

Herden im offenen Sangke-Grasland
Das Sangke-Grasland

Essen und Begegnungen gehören ebenso dazu wie die Aussicht. Milchtee, Tsampa, Teigtaschen und Lammfleisch, das mit der Hand gegessen wird, sind Teil der Hirtenküche. Das Grasland ist zugleich Arbeitsplatz: Fragen Sie, bevor Sie Hirten fotografieren oder eingezäunte Weiden betreten, und halten Sie Abstand zum Vieh.

Labrang-Kloster

Labrang gehört zu den sechs großen Klöstern des tibetischen Buddhismus und ist das religiöse Zentrum von Xiahe. Der Name wird üblicherweise als „Ort, an dem sich der Palast des Buddha befindet“ erklärt. Die nach Süden ausgerichtete Anlage umfasst mehr als 90 Hauptgebäude: Lehranstalten, Buddhahallen, Wohnhäuser, Mönchsunterkünfte, Lehrhöfe und Stupas. Weiße Mauern, dunkles Holz und vergoldete Dächer verdienen mehr als einen schnellen Rundgang.

Das Labrang-Kloster in Xiahe
Die Klosteranlage von Labrang

Ein weiteres Wahrzeichen ist der lange Gebetsmühlengang. Pilger gehen im Uhrzeigersinn, drehen die Mühlen und umrunden die weißen Stupas außerhalb der Anlage. Das ist gelebte Religion. Treten Sie zur Seite, damit Pilger passieren können, behindern Sie die Gebetsmühlen nicht und bitten Sie vor Porträtaufnahmen aus der Nähe um Erlaubnis.

Gebetsmühlen und Pilger in Labrang
Der Gebetsmühlen-Rundweg von Labrang

Die passende Reisezeit

Juni bis August eignet sich für die meisten Besucher. Tagsüber liegen die Temperaturen meist zwischen 15 und 30 °C, das Grasland ist grün und die Wildblumen blühen. Es ist allerdings auch die belebteste Zeit des Jahres. Auf beständiges Wetter sollte man sich selbst im Sommer nicht verlassen.

Der Frühling kommt in dieser Höhe spät. Ab April werden die Weiden allmählich grün, und mit wechselnder Höhenlage öffnen sich nach und nach die Wildblumen. Im Juni zeigt sich das Grasland oft von seiner schönsten Seite. Der Herbst bringt goldene Blätter und klarere Sicht auf die schneebedeckten Gipfel, aber auch kältere Nächte. Im Winter prägen Schnee, blauer Himmel und dunkler Fels die Landschaft. Das Wetter kann dann Straßen und Dienstleistungen beeinträchtigen.

Zum Gebetsfest gegen Ende des Winters, ungefähr im ersten Mondmonat, finden in Xiahe und anderen Klöstern Zeremonien und öffentliche Veranstaltungen statt. Die Daten ändern sich jedes Jahr. Wer seine Reise danach ausrichtet, sollte sie vor Ort bestätigen lassen.

Schnee auf einem hohen Berg in Gannan
Winter auf dem Hochland

Eine Route zusammenstellen

Meist beginnt die Reise in Lanzhou. Ein Tagesausflug nach Xiahe ist möglich, aber anstrengend; mit zwei Tagen bleibt Zeit für Labrang und Sangke. Bei drei Tagen lassen sich Langmusi und Zhagana ergänzen. Vier oder fünf Tage schaffen Raum für den Blumen-See, die erste große Biegung des Gelben Flusses bei Tangke und Gahai. Mit einer Woche oder mehr ist eine entspannte Rundreise über Luqu, Hezuo und die dazwischenliegenden Graslandschaften möglich.

Bergstraßen kosten Zeit, und Entfernungen auf der Karte täuschen. Lassen Sie Spielraum für Wetter, statt jeden Tag vollzuplanen. Führen Sie Ausweispapiere mit, wenn Ihre Route nach Qinghai oder Sichuan führt. Auch Zugangsregeln für Parks und Klöster sollten Sie vor der Abfahrt prüfen.

Essen und Trinken

Die tibetische Küche der Region ist kräftig und reich an Milchprodukten. Milchtee besteht aus Tee, Milch und etwas Salz. Für Tsampa wird geröstetes Gerstenmehl mit Buttertee vermengt und mit der Hand gegessen. Lammfleisch zum Essen mit der Hand ist ein klassisches Gericht für Gäste in den Hirtengebieten. Tibetische Teigtaschen, manchmal Zhuohua genannt, gehören ebenfalls zum Alltag. Farnwurzelreis aus Reis, Farnwurzel, Zucker und Butter kommt traditionell bei Zusammenkünften auf den Tisch. Der Joghurt ist dick und säuerlich.

Milchtee in einem tibetischen Haushalt
Tibetischer Milchtee
Lammfleisch zum Essen mit der Hand
Lammfleisch nach Hirtenart

Gemüse spielt in traditionellen tibetischen Mahlzeiten eine kleine Rolle. In den Städten sind jedoch Hui- und Sichuan-Restaurants leicht zu finden. Wasser kocht in dieser Höhe bei niedrigerer Temperatur, weshalb Reis und Nudeln fester ausfallen können als erwartet. Nehmen Sie für lange Fahrten durch dünn besiedelte Gegenden Wasser und etwas zu essen mit.

Höhe, Wetter und Rücksicht

Xiahe liegt auf etwa 2.850 Metern, Hezuo auf 2.980 Metern und Langmusi auf rund 3.400 Metern. Auch sportliche Reisende spüren die Höhe. Steigen Sie langsam auf, trinken Sie Wasser und lassen Sie den ersten Tag ruhig angehen. Sprechen Sie vor der Einnahme von Höhenmedikamenten mit einem Arzt. Kopfschmerzen, Übelkeit und Atemnot sollten Sie ernst nehmen.

Packen Sie Kleidung zum Schichten, eine wasserdichte Jacke, Sonnenschutz und eine Kopfbedeckung ein. Nach Regen werden Straßen schlammig; ländliche Fahrwege sind oft holprig. Prüfen Sie Wettervorhersage und örtliche Hinweise vor dem Aufbruch.

Verhalten Sie sich in Klöstern wie an anderen religiösen Orten. Rauchen Sie nicht, essen Sie vor dem Betreten keinen Knoblauch, berühren Sie weder Statuen noch Schriften und schlagen Sie nicht auf Glocken oder Trommeln. Bei Debatten und Zeremonien beobachten Sie still. Verzichten Sie auf Blitzlicht und beachten Sie Fotoverbote. An Himmelsbestattungsplätzen ist Fotografieren verboten. Halten Sie Abstand und lassen Sie die Zeremonie ungestört.

So entstand dieser Reiseführer

Dieser Reiseführer verbindet strukturierte Recherche und Automatisierung mit Quellen- und Dublettenprüfung. Zeitabhängige Angaben bitte vor der Reise prüfen.

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China Wayfarer editors

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